Mittwoch, 11. Juli 2018

24 Podcast: Weltreise mit den Kindern: Marion Wiesler

Vom Aussteigen & Ankommen

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Wenn man die Worte so liest oder hört, klingt es immer so als wär es ein ganz klarer Prozess. Zuerst aussteigen, dann ankommen. Ich habe mir darüber bis vor kurzem auch keine Gedanken gemacht und diese beiden Wörter unbedenklich in einem Atemzug genannt.
Interessant, was Wörter bewirken können. In diesem Fall fühlt man sich dann oft einmal schnell schlecht, wenn es bei einem selbst nicht so einfach funktioniert, wie scheinbar bei den Anderen. Ist ja eh klar, einfach aussteigen, aber wo soll ich ankommen, wo will ich ankommen?

Und genau das ist die Schwierigkeit dabei. Ganz oft ist es nur ein Gefühl, das man etwas ändern sollte. Die meisten von uns gehen darüber hinweg, verdrängen das ungute Bauchgefühl oder übertünchen es mit allen möglichen Dingen die im Außen stattfinden. Gutem Essen, Shoppen, neue Einrichtung,…. Das hilft schon mal kurzfristig, aber irgendwann kommt das Gefühl, „da stimmt doch was nicht“ wieder.

Ich habe für mich gemerkt, das  Aussteigen ein Prozess ist, der oft ganz schön lange dauern kann. Ich hatte im letzten Jahr das Gefühl ständig beim Aussteigen zu sein, das Ankommen war noch nicht in Sicht. Zwar manchmal ganz fern am Horizont zu erahnen, aber noch zu abstrakt um etwas Konkretes erkennen zu können.

Die größte Herausforderung war und ist, es einfach geschehen zu lassen. Kein fixes und konkretes Ziel zu verfolgen sondern einmal abzuwarten wohin man geführt wird. Auszuprobieren, schauen ob es passt und wiederum auszusteigen wenn es nicht der Fall ist. Klingt mühsam, war es auch, aber gleichzeitig auch sehr sehr spannend und interessant.

Ich habe mich selbst so gut kennen gelernt wie nie zuvor. Obwohl ich recht reflektiert bin, waren da doch noch einmal ganz überraschende und nicht immer schöne Erkenntnisse dabei. Wie groß meine Ego wirklich ist und wie sehr es dafür verantwortlich ist mich unglücklich zu machen, was mich stresst, was mir Freude bereitet, was mir gut tut, was meine Werte sind und wie sie sich im Laufe der Zeit verändert haben, was ich der Welt geben möchte, was ich gut kann und was weniger…..

Und Schritt für Schritt führte es mich zu dem Zeitpunkt vor einigen Wochen, als ich bei den Hochlandrindern die Sense schwang um die Brennnesseln abzumähen, an dem ich ganz stark spürte, jetzt beginne ich anzukommen. Und das war ein großartiges Gefühl.

Das viel Aussteigen war und ist notwendig, die vielen Wege die man entlangläuft sind und waren wichtig um zu spüren wo man hingehört was gut ist, was letztendlich die eigene Bestimmung ist.

Ich glaube, das dieses Ankommen kein fixer und statischer Zustand ist, und das ist völlig in Ordnung so. Aber jetzt freue ich mal nach dem vielen aussteigen, aussteigen, aussteigen und aussteigen… in der Phase des Ankommens zu sein.

Eine spannende Zeit, ein spannendes Leben und so soll es sein

Dienstag, 19. Juni 2018

Die Geschichte von Hof-Sonnenweide

Gestern habe ich eine mail von einer Berliner TV Produktionsfirma bekommen die auf der Suche nach starken Frauen in typischen Männerberufen ist.  Ich war und bin sehr geschmeichelt, das Unternehmen produziert u.a. für Gallileo.  Trotzdem, so ganz fühlte ich mich nicht angesprochen weil ich halt nicht die typische Bäuerein bin, die am Traktor sitzt und die Felder bearbeitet. Das habe ich dem Unternehmen auch mitgeteilt. Trotzdem kam nochmals eine mail mit der Bitte einmal ein bisschen über den Bauernhof und mich zu erzählen. Was ein Veggi-Bauernhof ist und was ich dort so mache usw... Also hab ich mich hingesetzt und begonnen zu schreiben weil ich das ja generell sehr gerne mache. Und dann hab ich beschlossen die Geschichte auch mit Euch zu teilen. 
Foto: 2012, erster Sommer auf Hof-Sonnenweide
Mein Mann Andreas und ich sind vor ca. 7 Jahren auf Hof-Sonnenweide gezogen.
Davor haben wir in Wien und dann im Speckgürtel von Wien gelebt. Ich hatte ein Personalvermittlungsunternehmen in der Innenstadt, mein Mann ein Trainingsunternehmen, spezialisiert auf das Thema Vekauf. Zu meinem 35. Geburtstag schenkte ich mir selbst ein Pferd und damit begann sich mein Leben gewaltig zu verändern.

Kurzversion: Ich übergab meine Hälfte des Unternehmens an meine damalige Geschäftspartnerin und eröffnete ein Tiersitting Unternehmen. D.h ich betreute Tiere wenn deren Besitzer im Urlaub waren. Zunächst nur Katzen, Meerschweinchen usw. , bald aber auch Schafe, Ziegen, Pferde, Hunde, Lamas…. Ich habe noch nie so viel gearbeitet, so wenig verdient und war so glücklich dabei.  Außerdem konnte ich mir immer wieder Tagesfreizeit verschaffen um bei meinem Pferd zu sein.

Damit regte sich auch der Wunsch wieder zurück aufs Land zu ziehen. Ursprünglich stamme ich aus dem Burgenland, allerdings nicht von einem Bauernhof. Ich hatte nicht viel mehr Tier- Bezug als ein Stadtkind.

5 Jahre suchten wir nach einem Hof der es mir erlauben sollte mein Pferd bei mir zu haben. Die lange Suche hat sich gelohnt, mit Hof-Sonnenweide haben wir genau das gefunden was für uns perfekt war. Für Andi, die relative Nähe zu Wien und für mich genug Platz und Infrastruktur um meine Träume auszuprobieren und zu verwirklichen. Da nun aber viel mehr Platz war als für 2 Pferde notwendig war fanden nach und nach noch vielen andere Tiere auf den Hof. Derzeit sind wir bei ca. 100 Tieren die meisten davon finden aus irgendwelchen Gründen zu uns und einige, wie die Nandus, haben wir weil wir Freaks sind.

Ich betrieb zuerst eine Jausen Station mit Speck, Würsteln, Schmalzbrot und ähnlichem. Mein Mann und ich waren richtige Fleischfresser. Dann bekamen wir aber 2 kleine Schweinchen die bei uns frei herumlaufen durften, meist gemeinsam mit unseren Hunden. Sie waren nie zum Schlachten gedacht aber da wurde uns zum ersten Mal vor Augen gehalten, was wir bis dato erfolgreich verdrängt hatten. Jedes Tier hat eine Persönlichkeit. Damit wars vorbei mit dem Fleischessen. Wir versuchten zuerst als Vegetarierer zu leben und das war so einfach, dass wir nach 3 Monaten beschlossen es mit nun mit veganer Ernährung zu probieren. Das ist jetzt 5 Jahre her und es war eine der besten Entscheidungen in unser beider Leben.

Die Jausenstation stellte ich dann auf vegan um, merkte aber, dass mir das "Wirtin sein" nicht mehr so viel Spaß machte. So begann ich mit „Schule am Bauernhof“ und mit dem Motto „Bauernhoftiere hautnah erleben“ machte ich Führungen mit Schulen, Kindergärten, Sozialen Organisationen usw.

Nach 3 Jahren zog es mich wieder weiter und jetzt bezeichne ich mich als „Bäuerin und MUnTerMACHERIN“ . Meine Vision ist es Menschen in ihre Kraft zu bringen, den Mut zu finden ihrem Herzen zu folgen und das zu tun was sie wirklich wollen. Sie in ihren Träumen bestärken und bewusst zu machen wie schön es ist mit Tieren und der Natur zu leben.  Mit der Möglichkeit den Hof zu besuchen und die Bewohner und deren Wirkung kennen zu lernen, mit Videos , Podcasts, und FB Posts, Blogartikeln, Einzelterminen,....


 be continued ... und ich bin schon sehr gespannt wie es weitergeht.

Freitag, 8. Juni 2018

Arbeit & Leben verbinden

Gerade sitze ich in meinem Gogo Mobil, hab mir einen Kaffee gemacht, schau hinaus in den Wald und höre die Vöglein zwitschern und einen Bach rauschen. Vorher war ich im Wald laufen, abseits von menschlichen Geräuschen nur ganz viel Insektengebrumm, Vogelgezwitscher und der Regen vom Vorabend der auf den Blättern abgleitet und in den Waldboden tropft. Die Sonne scheint durch das Laub- und Nadeldach und Dunst liegt über dem Boden. Rechts und links von mir Walderdbeeren denen ich nicht widerstehen kann. Der Ort ist 15 Minuten von Hof-Sonnenweide entfernt. 

In so einer herrlichen Stimmung habe ich immer das Gefühl das mit der Welt teilen zu müssen.  Ich mache immer wieder mal Pausen und versuche im Moment zu sein. Im Wald fällt mir das sehr leicht. (sofern ich nicht von Insekten verfolgt und gestochen werde die kommen sobald ich stehen bleibe) Das sind Momente wo ich nicht nur zufrieden sondern richtig glücklich bin.

Zurück im Gogo-Mobil wollte ich einige schöne Fotos auf FB stellen und dann kam kurz der Impuls. Das kannst doch nicht machen. Jetzt hast jeden Tag von einem anderen Ort schöne Fotos gepostet.

Ich hab mir überlegt, warum ich den Drang habe diese schönen Momente mit der "Welt" zu teilen. Und ich kann für mich ganz klar sagen, ich möchte so viele Menschen wie möglich dazu motivieren sich ebenfalls solche Glücksmomente zu machen und zeigen, wie einfach es manchmal sein kann.

Ich hab das auch nicht von einem Tag auf den anderen gemacht. Früher war es auch so, dass ich  viel aufs Wochenende verschoben habe, oder auf einen Urlaub. Mit Hof-Sonnenweide  und schon in meinem vorigen Beruf als Tiersitterin, hat sich da viel geändert. Es gibt kein Wochenende mehr und ein klassischer Urlaub ist auch eher schwierig.

So war ich mehr oder weniger „gezwungen“ da etwas anders zu machen. Begonnen hat das also schon vor langer Zeit,  in den letzten Monaten, v.a. durch den Kauf meines Gogo-Mobils, hat sich da sogar noch mehr eröffnet und ich liebe und genieße es. 

Meine Planung sieht dann so aus das ich mir überlegen wie ich meinen Tag gerne gestalten würde wenn es KEINE Einschränkungen gäbe (Mann, Tiere, sonstige Verpflichtungen, bei vielen Menschen die Kinder....) Erst wenn das konkret ist, ich genau weiss was ich mir wünsche,  integriere ich die sonstigen Dinge die ich zu tun habe. Bis jetzt hatte ich dann immer plötzlich Ideen und sah Möglichkeiten die ich vorher nicht gesehen habe.

Ganz praktisch schaut das bei mir z.B. so aus:
*Ca. 6.00 Uhr aufstehen,
* Katzen und Hunde versorgen,
* Meditieren + Morgenfragen
* Tiere draußen grundversorgen
* Laptop und Autoschlüssel schnappen und ab ins Grüne
* Laufen gehen, dann im Gogo Mobil arbeiten
* Wieder nach Hause fahren und weiter die Tiere versorgen
* Um ca. 10.30 bin ich wieder zu Hause.

Manchmal hab ich auch eine andere Reihenfolge aber ich versuche schon 1 – 3 Mal in der Woche so Outdoor-Office-Lauf-Gogo Mobil Stunden zu machen.

Ich wünsche mir das ich viele Menschen dazu inspirieren kann, sich auch solche Auszeit Momente zu gönnen oder in den Alltag zu integrieren. Es tut soooo gut und wir haben uns das verdient!